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Ratgeber

Wärmepumpe oder Gasheizung: der ehrliche Kostenvergleich 2026

Nahaufnahme einer grauen Wärmepumpen-Außeneinheit an einer Hauswand.

Vor dem Heizungstausch steht fast immer dieselbe Frage: noch einmal eine günstige Gasheizung oder gleich die Wärmepumpe. Die Antwort liegt nicht im Bauchgefühl, sondern in zwei Zahlen, die zusammengehören: was die Anlage kostet und was sie über die Jahre verbraucht.

Dieser Beitrag vergleicht beide Wege nüchtern. Er nennt die belegten Kosten der Wärmepumpe, ordnet die Gasheizung ehrlich ein und zeigt, wo die Förderung den Ausschlag gibt. Eine pauschale Sieger-Zahl gibt es nicht, denn der Vergleich hängt von Ihrem Haus ab.

Die Anschaffung: hier liegt die Gasheizung vorn

Bei den reinen Anschaffungskosten ist die Gasheizung im Vorteil. Eine neue Gasheizung ist in der Anschaffung günstiger als eine Wärmepumpe, das gehört zur ehrlichen Bilanz dazu.

Für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe sollten Sie nach Daten von co2online rund 22.500 Euro einplanen. Darin sind nicht nur das Gerät, sondern auch Speicher, Wärmemengenzähler und die Pumpe enthalten, also eine komplette Anlage. Wer auf Erdwärme setzt, liegt höher: Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe mit Bohrung kostet rund 28.500 Euro, weil die Erschließung der Wärmequelle im Erdreich aufwendiger ist.

Diese Summen wirken zunächst abschreckend. Sie sind aber nur die halbe Wahrheit, denn beim Heizungstausch im Bestand kommt die Förderung dazu, und die richtet sich gezielt an die Wärmepumpe.

Förderung: der entscheidende Hebel auf der Anschaffung

Über die KfW (Programm 458) sind für Selbstnutzer im Bestandsgebäude bis zu 70 Prozent Zuschuss auf die förderfähigen Kosten möglich. Das ist kein fester Wert, sondern setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen: 30 Prozent Grundförderung, 20 Prozent Bonus, wenn Sie eine funktionstüchtige alte fossile Heizung austauschen, 30 Prozent bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen bis 40.000 Euro und 5 Prozent für besonders effiziente Anlagen. In Summe ist bei 70 Prozent Schluss, das ist der Deckel.

Was das praktisch bedeutet, zeigt eine Beispielrechnung. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe für rund 22.500 Euro liegt innerhalb der förderfähigen Grenze. Bei der maximalen Förderung von bis zu 70 Prozent bliebe ein möglicher Eigenanteil von rund 6.750 Euro. Das ist ein Beispiel, keine Garantie, denn welche Boni Sie erreichen, hängt von Ihrer Situation ab. Wichtig ist nur die Größenordnung: Die Förderung kann die Anschaffung der Wärmepumpe sehr nah an die einer Gasheizung heranrücken.

Wie sich die einzelnen Boni für Sie zusammensetzen, lesen Sie auf der Seite Förderung Wärmepumpe 2026. Eine Übersicht über Geräte, Typen und Kosten bündelt die Seite Kosten der Wärmepumpe.

Der laufende Betrieb: Strom gegen Gas

Im Betrieb dreht sich das Bild. Eine Wärmepumpe braucht keinen Brennstoff, sondern Strom. In einem Einfamilienhaus liegt der Stromverbrauch nach Daten von co2online bei rund 3.000 bis 5.000 Kilowattstunden im Jahr. Wie viel es genau ist, entscheidet die Jahresarbeitszahl, kurz JAZ. Sie gibt an, wie viel Wärme die Pumpe aus dem verbrauchten Strom gewinnt, im Detail beschrieben unter Wie funktioniert eine Wärmepumpe. Bei einer JAZ von 4 entstehen aus einer Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden Wärme. Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen meist eine JAZ zwischen 3 und 4, Sole- und Wasser-Wasser-Anlagen oft 5 und mehr. Ab einer JAZ von 3 arbeitet die Anlage effizient.

Sie können den Strombedarf grob selbst überschlagen. Teilen Sie Ihren bisherigen Heizverbrauch durch die erwartete JAZ. Aus 16.000 Kilowattstunden Gas im Jahr und einer JAZ von 4 werden so rund 4.000 Kilowattstunden Strom. An Wartung kommen bei der Wärmepumpe etwa 150 bis 300 Euro im Jahr hinzu.

Die Gasheizung verbrennt weiter Erdgas. Der Punkt, der über die Jahre zählt: Fossile Brennstoffe werden über den CO2-Preis tendenziell teurer. Was heute günstig wirkt, kann in zehn oder fünfzehn Jahren deutlich anders aussehen. Genau diese Entwicklung verschiebt die laufenden Kosten Schritt für Schritt zugunsten von Strom als Energieträger.

Wie die Effizienz Ihre Stromrechnung bestimmt

Die laufenden Kosten der Wärmepumpe stehen und fallen mit der Jahresarbeitszahl, und diese Zahl ist kein fester Schicksalswert. Sie hängt davon ab, wie gut die Anlage zum Haus passt. Eine niedrige Vorlauftemperatur, passende Heizflächen und ein hydraulischer Abgleich heben die JAZ, eine schlecht eingestellte Anlage drückt sie. Der Unterschied zwischen einer JAZ von 3 und einer von 4 bedeutet für dieselbe Wärmemenge rund ein Viertel weniger Strom. Bei einem jährlichen Verbrauch im Bereich von 3.000 bis 5.000 Kilowattstunden macht das über die Jahre einen klaren Unterschied.

Wer die Wärmepumpe günstig betreiben will, hat dafür also echte Stellschrauben in der Hand, von der Heizkurve bis zu einem eigenen Wärmepumpentarif. Eine Gasheizung dagegen bietet kaum Spielraum: Sie verbrennt Gas zum jeweiligen Marktpreis, und dieser Preis liegt nicht in Ihrer Hand. Diese Asymmetrie ist ein oft übersehener Vorteil der Wärmepumpe. Sie können aktiv sparen, statt nur auf die Abrechnung zu warten.

Auch die Variante zählt. Die teurere Erdwärme-Wärmepumpe mit rund 28.500 Euro inklusive Bohrung kostet in der Anschaffung mehr als die Luft-Wasser-Variante, läuft dafür aber oft mit einer höheren JAZ und damit sparsamer im Betrieb. Auch hier gilt: Die höhere Investition kann sich über die Laufzeit relativieren, garantiert ist das aber nicht.

Erdgas hat keine Preisbremse

Beim Vergleich über lange Zeiträume ist ein Punkt entscheidend, der sich nicht in einer einzelnen Zahl fassen lässt: die Richtung der Energiepreise. Strom kann aus immer mehr erneuerbaren Quellen stammen, eigener Solarstrom senkt den Bezug zusätzlich. Erdgas dagegen bleibt ein fossiler Brennstoff, dessen Preis über den CO2-Preis tendenziell steigt.

Für die Gasheizung bedeutet das ein Risiko, das mit jedem Betriebsjahr wächst. Wer 2026 eine neue Gasheizung einbaut, plant für die nächsten zwei Jahrzehnte und bindet sich an einen Energieträger, der über die Zeit teurer werden dürfte. Die Wärmepumpe verlagert das Risiko: Statt vom Gaspreis hängen die Kosten vom Strompreis und von der Effizienz der Anlage ab, und beides lässt sich beeinflussen.

Was günstiger ist, hängt von vier Stellschrauben ab

Den einen festen Sieger gibt es nicht, und seriös lässt sich auch keine Gesamtsumme über zwanzig Jahre versprechen, ohne Ihre konkreten Werte zu kennen. Über einen langen Zeitraum von etwa 15 bis 20 Jahren kann die Wärmepumpe trotz höherer Anschaffung günstiger sein als die Gasheizung. Ob das in Ihrem Fall zutrifft, entscheiden vier Stellschrauben:

StellschraubeWirkung auf den Vergleich
Jahresarbeitszahl (JAZ)Höhere JAZ senkt den Stromverbrauch und damit die Betriebskosten der Wärmepumpe
StrompreisNiedriger Strompreis stärkt die Wärmepumpe, ein günstiger Wärmepumpentarif hilft zusätzlich
Gas- und CO2-PreisSteigende fossile Kosten verschieben den Vorteil über die Jahre zur Wärmepumpe
FörderhöheJe höher der Zuschuss, desto kleiner der Abstand bei der Anschaffung

Wer eine effiziente Wärmepumpe in ein passendes Haus baut, eine hohe Förderung erreicht und einen günstigen Stromtarif hat, fährt mit der Wärmepumpe über die Jahre oft besser. Wer dagegen mit einer niedrigen JAZ und ohne Förderung rechnen müsste, sollte die Zahlen genau prüfen.

Statt zu schätzen, lohnt der Blick auf Ihre eigenen Werte. Im Wärmepumpen-Kostenrechner können Sie Anschaffung, Förderung und laufende Kosten für Ihre Situation überschlagen.

Häufige Fragen

Ist eine Wärmepumpe teurer als eine Gasheizung?

In der Anschaffung ja. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet rund 22.500 Euro und liegt damit über einer neuen Gasheizung. Mit der Förderung von bis zu 70 Prozent kann der Eigenanteil aber deutlich sinken, im Beispiel auf rund 6.750 Euro. Im Betrieb fällt der Vergleich oft zugunsten der Wärmepumpe aus, weil fossile Brennstoffe über den CO2-Preis tendenziell teurer werden.

Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Jahr?

In einem Einfamilienhaus liegt der Verbrauch laut co2online bei rund 3.000 bis 5.000 Kilowattstunden im Jahr. Den Wert können Sie überschlagen, indem Sie Ihren bisherigen Heizverbrauch durch die erwartete Jahresarbeitszahl teilen, etwa 16.000 Kilowattstunden Gas geteilt durch eine JAZ von 4 ergibt rund 4.000 Kilowattstunden Strom.

Lohnt sich der Umstieg auf eine Wärmepumpe finanziell?

Über 15 bis 20 Jahre kann die Wärmepumpe günstiger sein als die Gasheizung. Sicher ist das aber nicht pauschal, denn es hängt von der Jahresarbeitszahl, dem Strom- und Gaspreis sowie der Förderhöhe ab. Rechnen Sie Ihren konkreten Fall durch, statt sich auf eine allgemeine Zahl zu verlassen.

Dieser Beitrag gibt den Stand vom 20. Juni 2026 wieder und ersetzt keine individuelle Energie-, Steuer- oder Rechtsberatung. Rechnen Sie Ihren eigenen Fall mit dem Wärmepumpen-Kostenrechner durch. Wenn Sie konkrete Angebote für eine Wärmepumpe wünschen, können Sie über unser Formular kostenlos und unverbindlich anfragen.

Quellen